Italienische Presse:Schumacher denkt an Rücktritt

  • © F1Total.com/sid 18. September 2001 - 17:38 Uhr
    Michael Schumacher möchte abtreten, bevor ihn der Erfolg verlässt

    Michael und Ralf Schumacher haben Spekulationen über einen angeblichen Startverzicht beim USA-Grand-Prix am 30. September in Indianapolis entschieden zurückgewiesen. "Ich habe gehört, dass es solche Gerüchte gibt. Aber dort nicht zu fahren - daran denke ich im Moment nicht", meinte Formel-1-Weltmeister Michael Schumacher auf seiner Internet-Seite.
    Der 32-Jährige hatte allerdings zuvor den Sinn der Austragung des WM-Laufs in den Vereinigten Staaten angesichts der verheerenden Terror-Anschläge und der unsicheren politischen Situation ebenso in Frage gestellt wie sein Bruder. Doch nachdem Ralf Schumacher das US-Rennen vor wenigen Tagen noch als "schlechten Witz und absolut unverantwortlich" bezeichnete, vollzog der BMW-Williams-Pilot nun einen Sinneswandel: "Es ist sehr schwierig, abzuwägen, wie sicher oder unsicher das Ganze ist. Aber Bernie Ecclestone und Max Mosley haben diese Entscheidung getroffen, und die respektiere ich auch. Deshalb werde ich fahren, das ist überhaupt keine Frage für mich", sagte Ralf Schumacher in einem DSF-Interview.


    Derweil sorgten sich am Dienstag die italienischen Medien ernsthaft um Michael Schumachers Gemütsverfassung und schrieben sogar von Rücktritt. "Er fühlt sich als Zielscheibe und fürchtet Racheaktionen. Fraglich ist, ob Michael nicht beginnt, die positiven Aspekte eines Rückzugs aus der Formel 1 in Erwägung zu ziehen. Die Ereignisse der vergangenen Woche haben ihn wahrscheinlich dazu veranlasst, über den Sinn des Lebens nachzudenken", kommentierte 'Tuttosport'. Das Blatt urteilte, dass Schumacher in Monza mit der "Begeisterung eines Taxifahrers" teilgenommen und alles getan habe, um bloß nicht auf s Podium zu fahren.


    Auch 'Corriere dello Sport' blickte in Schumachers Seelenleben. "Es gibt keine Zweifel, dass Michael in einer Krise steckt. Leute des Ferrari-Teams sagen, dass er sich von seinen Albträumen nicht befreien kann. Er spricht nur von den Terror-Anschlägen", schrieb die Zeitung. Schumacher sei bedrückt, wie er es nicht mal nach seinem schweren Unfall 1999 in Silverstone war: "Die Bilder der Flugzeuge, die gegen die Türme des World Trade Centers stürzen, wirbeln in seinem Kopf herum. Michael hat seinen ganzen Mut gebraucht, um in sein Privatflugzeug zu steigen."


    Ob Schumacher aus eigener Überzeugung in den USA startet oder erst auf Druck von Formel-1-Boss Bernie Ecclestone reagierte, ist unklar. Fest steht, dass der Engländer zuvor gedroht hatte, dass Schumacher noch nicht Weltmeister sei und er im Falle der Absage bestraft werden könne. "Achtung Michael, die Saison ist noch nicht vorbei. Es kann noch alles geschehen, auch dass Punkte abgezogen werden", sagte Ecclestone. Schumacher steht seit dem Ungarn-GP am 19. August als alter und neuer Weltmeister fest und führt die Gesamtwertung nach 15 von 17 WM-Läufen 2001 mit 107 Punkten uneinholbar vor dem Schotten David Coulthard (57) an.


    Schumachers Nichtantreten wäre in den Augen des Promoters wohl ein unsportliches Verhalten. Und das müsste bestraft werden, da das Image der Formel-1-WM durch ein Fehlen des Aushängeschildes großen Schaden nehmen würde. Allerdings ist nicht Ecclestone, sondern der Automobil-Weltverband FIA für das Reglement zuständig. Einzig die FIA kann Regelverstöße ahnden. Doch eine Absage Schumachers wäre kein Vergehen, denn jedes Team kann laut Reglement während der Saison einen Fahrertausch vornehmen.


    Ferrari-Teamchef Jean Todt hatte am Montag durchblicken lassen, dass Schumacher an einen Boykott des USA-Rennens denke und damit für Verwirrung im eigenen Lager gesorgt. Der Franzose sagte, dass es allein Schumachers Entscheidung sei, ob er in Indianapolis fahre. Und danach werde sich Ferrari richten. Gleichzeitig sollte sich Testfahrer Luca Badoer (Italien) bereithalten, hieß es, um Schumacher bei einem Startverzicht zu ersetzen. Laut Todt sei Schumacher bereits traurig gewesen, als er nach Monza kam. "Ich habe ihn dann gefragt, ob er fahren will. In Monza wollte er dabei sein, aber was Indianapolis betrifft, werden wir uns nach Michaels Entscheidung richten", hatte der Ferrari-Teamchef verlauten lassen und damit Spekulationen über eine Absage des Deutschen ausgelöst. Todt sagte weiter: "Er ist der Fahrer, und er muss sich in der Lage fühlen, zu fahren."