Michael Schumacher im Interview  

  • Michael Schumacher im Interview
    © F1Total.com 23. August 2001 - 19:19 Uhr

    Frage: "Wirst du Rubens Barrichello helfen, Zweiter in der Weltmeisterschaft zu werden?"
    Michael Schumacher: "Ja, aber wir müssen sehen, ob das notwendig ist. Wenn es so gut läuft wie in Budapest, dann denke ich, dass er in der Lage ist, es selbst zu schaffen."
    Frage: "Warum hast du ihm in Ungarn die Siegertrophäe gegeben?"
    Schumacher: "Am Samstagabend sahen wir die Trophäe, ein Lenkrad, während einem Gala-Dinner. Ich habe gesehen, wie er sie sich sehr genau anschaute. Zu diesem Zeitpunkt sagte ich nichts zu ihm, aber dann auf dem Podium schien es der richtige Moment zu sein, sie ihm zu geben. Es war ein wenig eine Wiedergutmachung für die Hilfe, die er mir während der vergangenen zwei Jahre zukommen lassen hat."


    Frage: "Hast du ein anderes Gefühl über den Titel im Vergleich zum vergangenen Jahr?"
    Schumacher: "Wie ich schon in Budapest sagte ist es unmöglich, einen Vergleich zu ziehen. Jeder Erfolg hat seine eigene Geschichte und aus diesem Grund sind die Emotionen dahinter unterschiedlich. In Ungarn habe ich schnell realisiert, wie wichtig das war, was passiert ist, aber wenn man ein Ziel erreicht, so geht man schnell dazu über, an das nächste Ziel zu denken. Manchmal kann das ziemlich schade sein. Es wäre nett, wenn man diese Momente des Feiern verlängern könnte, aber nicht zu sehr! Sonntagnacht hatten wir in Budapest einen wirklich schönen Abend. Nichts war geplant, aber die Jungs hatten eine großartige Zeit. Auch gestern hatten wir in Maranello eine nette Party. Es war sehr wichtig, dass wir einmal alle zusammen waren und es wäre gut, wenn wir das öfter einmal tun könnten. Es zeigt, wie sehr wir eine zusammengeschweißte Truppe sind."


    Frage: "Bist Du immer noch motiviert?"
    Schumacher: "Ich liebe den Wettbewerb, den Kampf um die Pole Position, die Duelle im Rennen und einen Sieg zu holen ist ein großer emotionaler Antrieb. Ich bin immer noch voller Leidenschaft dabei und ich möchte weiterhin gewinnen."


    Frage: "Wie haben deine Kinder auf den Erfolg reagiert?"
    Schumacher: "Ich möchte meine Kinder in mein Berufsleben nicht wirklich mit einbeziehen. Natürlich wussten sie, dass ich gewonnen habe, aber als ich nach Hause kam, haben wir normal gefeiert, auf einem bescheidenen Level würde ich sagen, wenn ich das mit den Fans vergleiche. Ich möchte zu Hause ein normales Leben führen."


    Frage: "Haben Unfälle wie jener 1999 in Silverstone und dieses Jahr im Juli in Monza deine Empfindung für Furcht verändert?"
    Schumacher: "Ja, sie haben mich ein wenig verändert. Diese Unfälle sind definitiv keine schöne Erfahrung, aber ich weiß, dass dahinter ein technischer Grund war. Jedoch habe ich immer ein großes Vertrauen in das Team. Ich weiß, dass man nie 100-prozentig sicher sein kann, dass man keinen Unfall haben wird, so wie wenn man zum Beispiel in ein Flugzeug steigt."


    Frage: "Wann hast du realisiert, dass du in der Lage bist, in der Formel 1 zu gewinnen?"
    Schumacher: "Es war in Monza 1991, als ich mich selbst im Kampf mit den anderen Fahrern wieder fand. Ich merkte, dass keiner unschlagbar ist und dass wenn ich es richtig mache und ich im richtigen Auto sitze, ich gewinnen könnte."


    Frage: "Hast du dich über alle diese Jahre hinweg als Mensch verändert? Erlaubst du dir, emotionaler zu sein?"
    Schumacher: "Ich denke nicht, dass ich mich im Vergleich zur Vergangenheit sehr verändert habe. Zunächst versuchte ich immer, alle meine Emotionen in Schach zu halten, weil wenn man jung ist, man Angst hat, dass einen die anderen falsch verstehen. Jetzt fühle ich mich sicherer und sehe keinen Grund, meine Gefühle zu verbergen."


    Frage: "Warum denkst du, hat Ferrari keinen italienischen Fahrer verpflichtet?"
    Schumacher: "Ich denke, dass Ferrari immer nach dem Besten Ausschau hält und wenn der beste Fahrer ein Italiener wäre, dann hätten sie ihn geholt. Zusätzlich muss man sich die Verfügbarkeit der Fahrer ansehen, was ihre Verträge anbelangt. Wie auch immer, um diese Tatsache mache ich mir keine Sorgen und da sollte man Ferrari die Frage stellen."


    Fabian Hust