David Coulthard im Interview Teil 1

  • David Coulthard im Interview Teil 1
    © F1Total.com 21. August 2001 - 09:20 Uhr

    Mit dem Sieg von Michael Schumacher am Sonntag konnte David Coulthard, der als Dritter die schwarz-weiß-karierte Flagge gesehen hatte, endgültig seine - ohnehin geringen - Chancen auf den Weltmeistertitel begraben. Nach der Siegerehrung und offiziellen Pressekonferenz zog sich der Schotte zunächst in sein Motorhome zurück. Weil er so enttäuscht war, sagten die einen, weil er erschöpft vom Rennen war, sagten die anderen. Später äußerte sich der 30-Jährige in einem Interview über das Rennen selbst und andere damit im Zusammenhang stehende Dinge.
    Frage: "David, du hast so hart versucht deine Weltmeisterschaftsambitionen um ein weiteres Rennen zu erhalten, am Ende hat es aber nicht sein sollen. Kannst du uns kurz den Rennverlauf aus deiner Sicht schildern?"
    David Coulthard: "Offensichtlich scheint es ein Nachteil zu sein, wenn man beim Start auf der Innenseite steht, denn Rubens konnte mich ganz leicht überholen und Michael hatte schon auf dem Weg zu ersten Kurve hin einen großen Vorsprung auf mich herausgefahren. Ich wusste von da an, dass es hart werden würde. Der Abstand zwischen mir und Rubens gab mir dann jedoch die Hoffnung, dass ich beim Boxenstopp eine Chance hätte. Mit der Menge an Benzin mit der ich unterwegs war, fühlte ich mich komfortabel im Rennen und nahm an, dass er [Barrichello, Anm. d. Red.] früher an die Box fahren würde. Das ist so ziemlich das Gegenteil zu dem was Rubens gesagt hat, denn offensichtlich habe ich im mittleren Rennabschnitt ein wenig mehr mit den Reifen gekämpft. Es war kein neuer Reifensatz und ich bin mir momentan noch nicht sicher welcher Moment, die Runde an die Box, der Boxenstopp selbst, oder die Runde aus der Box heraus, nicht so gut war, sodass er mich überholen hatte können. Aber irgendetwas hat mich Zeit gekostet. Platz 2 war das beste Ergebnis welches ich heute erreichen hätte können und der heutige Tag steht natürlich im Zeichen von Michaels Sieg und erneutem Titelgewinn, sodass ich ihm dazu gratulieren möchte. Gleichzeitig möchte ich vorschlagen, dass er sich die letzten vier Rennen einen Urlaub gönnt."


    Frage: "Um den zweiten Platz in der Fahrerwertung kämpfen weiterhin drei Fahrer: du, Rubens und Ralf Schumacher. Wie wichtig ist es für dich Vizeweltmeister zu werden?"
    Coulthard: "Ich habe dafür keine bestimmten Gefühle denn ich will einzig und allein gewinnen. Für mich macht es keinen Unterschied ob ich Zweiter, Dritter oder Vierter werde, was auch immer passiert, ich fahre um zu gewinnen. Was wichtig ist, ist die Art wie ich in jedem dieser einzelnen und individuell zu betrachtenden Rennen fahre und angenommen, dass ich immer hundert Prozent gegeben habe, was nicht immer der Fall sein kann, was aber das Ziel ist, dieses zu erreichen, kann ich einfach nicht mehr machen. Es ist nicht nur die persönliche Leistung welche am Ende darüber entscheidet auf welchem Platz man die Weltmeisterschaft beendet..."

  • David Coulthard im Interview Teil 2


    Frage: "Bist du eher wenig oder mehr enttäuscht"
    Coulthard: "Nun, ich glaube, dass ich heute mein Bestes gegeben habe, nur hatte ich einfach kein Auto was so schnell wie der Ferrari war. Ich hatte viel Übersteuern und wir haben ja beinahe auch Rubens geschnappt, jedoch kann man nicht um diese Probleme herumfahren. Der zweite Platz war wirklich das Beste worauf ich hoffen hatte können und wir müssen jetzt versuchen zu verstehen, wo wir die Zeit verloren. War es auf meinem Weg an die Box oder war es beim Nachtanken? Denn ich denke, dass das ein wenig zu lange gedauert hat. Aber ganz ehrlich, nach dem Start hatte ich keine ernste Chance, um mit Michael zu kämpfen."


    Frage: "Was ist denn beim Start genau passiert?"
    Coulthard: "Ich startete einfach nur von der dreckigen Seite. Im Rennen der F3000 konnte man sehen, dass alle Autos die auf der linken Seite standen gut wegkamen. Beim Rennstart habe ich mich einfach auf die Geräusche von Michaels Auto konzentriert und muss sagen, dass es sich so anhörte, dass bei ihm die Traktionskontrolle schon nicht mehr arbeitete, während diese bei mir voll aktiv sein musste. Ich denke, dass meine Reaktion auf den Rennstart und das Erlöschen der Ampel hin gut war, jedoch konnte Michael viel besser beschleunigen und Rubens ebenfalls. Vielleicht sollten wir in Zukunft alle einzeln starten."


    Frage: "Und aus Betrachtung der Weltmeisterschaft..."
    Coulthard: "Die ist gelaufen denke ich. Oder?"


    Frage: "Was sind deine Gefühle, nun, nachdem es vorbei ist?"
    Coulthard: "Ich denke, dass es ein oder zwei große Probleme mit unserer Performance in diesem Jahr gegeben hat. Ich selbst bin glücklich darüber in diesem Jahr auf einem höheren Level gewesen zu sein und das gibt mir Zuversicht und Selbstvertrauen. Wenn wir in einer Situation gewesen wären, wo wir gleichstark wie Ferrari gewesen wären oder den Vorteil des besseren Autos aus der Vergangenheit gehabt hätten, so hätte es anders kommen können. Unglücklicherweise ist es so aber dieses Jahr nicht gewesen. Wir müssen als Team einfach zusammenarbeiten und versuchen, dass wir das wieder erreichen. Was die ursprüngliche Frage betrifft, so gibt es keine Frage daran, dass Michael die Weltmeisterschaft verdient, denn er ist konstant schnell gewesen, hat die Situationen und sein Leistungsvermögen gut genutzt und keine Fehler gemacht. Ich glaube, dass man seine oder Ferraris Leistung nicht in Frage stellen sollte, denn sie haben ganz einfach Leistung erbracht und wir müssen zurück an den Zeichentisch."


    Frage: "Bist du jetzt für die letzten Rennen weniger motiviert?"
    Coulthard: "Nein. Ich fühle mich gegenwärtig total schlecht, denn ich habe viel Flüssigkeit verloren und hoffe, dass wir fertig sind, sodass ich mich wieder hinlegen kann. Vielleicht sollte ich mich jetzt entschuldigen und Michael kann den Moment weiterhin genießen, aber nein, ich will natürlich Grand Prix gewinnen. Das ist meine Motivation."


    Marcus Kollmann