Ferrari für 2002 mit "technischer Revolution"?

  • Ferrari für 2002 angeblich mit "technischer Revolution"
    © F1Total.com/dpa/sid 22. August 2001 - 15:00 Uhr


    Michael Schumachers Ferrari-Team hat die Vorbereitungen auf die kommende Formel-1-WM schon weit vor dem Saisonende verangetrieben und dabei offenbar eine Premiere geplant. Eine "Revolution" kündigte die normalerweise immer gut informierte italienische Sportzeitung 'Gazzetta dello Sport' für das Auto der Saison 2002 am Mittwoch an. Ein bisher einmaliges neues technisches System für Motor, Differenzial und Getriebe soll Gewicht sparen und dafür sorgen, dass der neue Ferrari einfacher auszubalancieren ist. Noch nie habe ein Formel-1-Team eine derartig "futuristische" Lösung eingesetzt, hieß es.
    Demnach sollen Motor und Kupplung in einem einzigen Block untergebracht sein, das Fahrzeug außerordentliche Stabilität haben und mit einem aus Sicherheitsgründen erweiterten Cockpit ausgestattet sein. Fahren soll der Super-Bolide schon vor Beginn des Testverbots zum Ende der Saison. Ferrari-Chefstratege Ross Brawn hatte noch in Budapest erklärt, dass mehr als 100 Mitarbeiter bereits seit sechs Wochen an dem neuen roten Renner arbeiten würden. Insgesamt stehen Michael Schumacher in der nächsten Saison 700 Mitarbeiter und ein Budget von angeblich 550 Millionen Mark für die Titelverteidigung zur Verfügung.


    Präsident Luca di Montezemolo versprach, dass das Team sich nicht auf den Erfolgen der Vergangenheit ausruhen werde. "Unsere Geschichte ist unsere Stärke. Aber niemand von uns schaut zurück. Wir schauen in die Zukunft." Inzwischen sei die Formel 1 eine "Weltraum-Industrie", aber Ferrari eines der wenigen Teams, das Auto und Motor eigenständig herstellt.


    Unterdessen hat der früher in Deutschland arbeitende Giovanni Trapattoni, derzeit Fußball-Nationaltrainer in Italien, den viermaligen Weltmeister gegen Kritiker in Italien verteidigt. Es sei "Polemik", wenn Italiener sich darüber beschwerten, dass Schumacher bei der Siegerehrung die italienische Hymne dirigiere. Einige Landsleute seien Schumacher gegenüber nach wie vor skeptisch eingestellt. Die meisten jedoch nicht mehr. "Längst hat dieser außergewöhnliche Sportler auch die Sympathien der Italiener gewonnen", glaubt der frühere Trainer des FC Bayern München.


    Die Tifosi hätten erkannt, dass Schumacher "nicht nur der kühle Erfolgsstreber" sei, sondern auch "all'italiana fahren und feiern" könne. Nach Trapattonis Ansicht wünschen sich die Italiener noch von Schumacher: "Er möge unsere Sprache lernen. Selbst wenn er nur einige Sätze auf italienisch spricht, rührt das meine Landsleute ungemein."


    Am Dienstag nahm Schumachers Teamkollege Rubens Barrichello die Arbeit nach den zwei Titelgewinnen für Schumacher und Ferrari die Arbeit wieder auf. Barrichello testete in Mugello Abstimmung und Elektronik und fuhr 68 Runden. Er war mit einer Rundenzeit von 1:25,011 Minuten der Schnellste vor dem Mönchengladbacher Sauber- Piloten Nick Heidfeld, dem Ferrari-Testfahrer Luca Badoer sowie dem Franzosen Jean Alesi im Jordan. Bei den Tests in Silverstone war der Finne Mika-Häkkinen im McLaren-Mercedes der Schnellste vor seinem österreichischen Teamkollegen Alexander Wurz.


    Michael Schumacher wird am Donnerstag und Freitag in Mugello testen. Das nächste Rennen findet am übernächsten Wochenende (2. September) im belgischen Spa-Francorchamps statt. Barrichello kämpft bei den vier noch ausstehenden vier Grand Prix in dieser Saison um den zweiten Platz in der Weltmeisterschafts-Wertung. Derzeit ist der Brasilianer mit 46 Punkten Dritter hinter dem schottischen Silberpfeil-Piloten David Coulthard (51).


    Fabian Hust