Prost-Offerte für Frentzen

  • Heinz-Harald Frentzen und sein neuer Teamchef Alain Prost werden ihre kurzfristig begonnene Zusammenarbeit womöglich länger als zunächst geplant fortsetzen.


    "Das ist nicht ausgeschlossen", sagte der Formel-1-Pilot aus Mönchengladbach. Prost signalisierte nach den ersten gemeinsamen Arbeitstagen in Budapest sein Interesse an einer Vertragsverlängerung mit dem Rheinländer.


    Verbleib in der Formel 1 fraglich


    Allerdings bangt der vor dreieinhalb Wochen vom Jordan-Team überraschend entlassene Frentzen weiter um seinen Verbleib in der "Königsklasse" des Motorsports.


    "Ich möchte gerne weiter in der Formel 1 fahren. Aber ob es klappt, weiß ich noch nicht", sagte der 34-Jährige.


    "Es ist seine Entscheidung"


    "Ich versuche, sehr bald mit Heinz-Harald über die nächste Saison zu sprechen. Es ist seine Entscheidung", erklärte Prost. Er müsse Frentzen erst die Pläne des Teams für die kommende Saison darlegen und hoffe, dies innerhalb von vier Wochen klären zu können.


    Gleichzeitig dementierte der viermalige Weltmeister die anhaltenden Spekulationen um große Finanzprobleme seines Rennstalls.


    Ungereimtheiten bei Prost


    Es gibt offenbar Ungereimtheiten, was die Sponsoren- und Motoren-Situation für 2002 betrifft. Prost bezieht Kundenmotoren von Ferrari und soll angeblich mit Zahlungen im Rückstand sein.


    "Jeder kann in die Fabrik kommen und die Bücher einsehen", sagte der Franzose dazu.


    Gerüchte angeblich falsch


    Berichte, wonach er die Motoren oder das Gehalt seines Ex-Piloten Jean Alesi nicht bezahlt habe, seien falsch. "Ich werde das nicht länger hinnehmen. So etwas schadet meinem Team", so Prost.


    Er gaballerdings zu, dass er sich in einer schwierigen Situation befinde: "Aber das Positive ist: Es kann nur besser werden."


    Kaum Alternativen


    Trotz aller Probleme hat Frentzen jedoch keine vernünftige Alternative, wenn er in der Formel 1 bleiben will. Mit dem neuen Arbeitgeber hat er einen Vertrag bis Saisonende.


    Vor seiner Entlassung hatte Frentzen bei Jordan auch einen Kontrakt für die kommende Saison. Genaueres sollen die Gerichte klären, angeblich geht es um eine Abfindung für Frentzen von über 30 Millionen Mark.


    Frentzen zuversichtlich


    "Die Basis ist da, das Potenzial auch. Das fühle ich", sagte der Rennfahrer über den neuen Job. Zur Auseinandersetzung mit Eddie Jordan wollte er sich nicht mehr äußern.


    "Ich konzentriere mich auf Prost und meine Arbeit." Experten-Stimmen, wonach der Wechsel ein Abstieg sei, konterte er: "Ich wollte lieber aktiv sein, als zu Hause rumzusitzen und zu warten, bis einer kommt und sagt, wir haben einen Anderen rausgeworfen."


    Kein Treffen mit Jordan
    Seinen Ex-Chef habe er "nur im Vorbeigehen" getroffen. Für mehr habe er keine Zeit, weil er mangels Vorbereitung so viel mit seinen neuen Technikern zu tun habe. Mit dem Lob für Prost ("Er kann dir folgen, wenn man ihm etwas erzählt") und die Ingenieure übte Frentzen aber indirekt Kritik an Jordan.


    Prost äußerte sich sehr positiv über den Deutschen. "Er hat sehr gut mit dem Team gearbeitet und viele Informationen geliefert", meinte der 46-Jährige. Das erste Rennen könne jedoch nur ein Kompromiss sein, weil Frentzen keine Testfahrten absolvieren konnte.


    Lob für Frentzen


    Aber: "Er ist ein Topfahrer, einer der besten der Formel 1."


    Das Verhältnis zu seinem früheren Piloten und Freund Alesi hingegen scheint nachhaltig zerstört. Er habe das letzte Gehalt für Alesi zwei Wochen zurück gehalten, weil der französische Routinier das Team schon länger habe verlassen wollen, so Prost.


    Diniz als Käufer im Gespräch


    In der Vorwoche hatten französische Medien zudem berichtet, das Team habe im Vorjahr große Verluste gemacht und stehe womöglich vor einer Übernahme. Angeblich soll die Familie des ehemaligen Formel-1-Fahrers Pedro Diniz, die 40 Prozent der Anteile an Prost besitzt, an einem Kauf interessiert sein. Davon wisse er nichts, meinte Prost.